Photovoltaik auf dem Klinkerdach in Bremen - Statik
Backstein und Klinker dominieren die Dachflächen in Walle, Findorff und Vegesack. Eine PV-Installation ist möglich - mit Statiknachweis und Aufstellplanung.
· veröffentlicht am 24. Mai 2026
Klinker- und Backsteinhäuser prägen weite Bereiche der Bremer Vorkriegsbestände - von Walle bis Findorff, von der Östlichen Vorstadt bis Vegesack. Wer auf einem solchen Dach Photovoltaik installieren will, stößt auf drei spezifische Themen: Statik, Genehmigung und die richtige Montage-Technik.
Statik: kann das Dach das überhaupt tragen?
Eine moderne 10-kWp-PV-Anlage wiegt inkl. Montagesystem ca. 18-22 kg/m² zusätzliches Gewicht. Klinkerdächer der Bremer Vorkriegszeit sind in der Regel auf 70-90 kg/m² Schneelast ausgelegt - die PV-Last ist also unkritisch. Trotzdem verlangt die Bremische Bauordnung bei Bestandsgebäuden vor Inbetriebnahme einen Statiknachweis durch einen Statiker mit gültiger Eintragung.
Typische Kostenpunkte: 350-650 EUR für die statische Berechnung, 90-150 EUR für die Ortsbegehung. Der SHK- oder Solarteur-Betrieb übernimmt in der Regel die Koordination.
Genehmigung und Denkmalschutz
PV-Anlagen auf Wohngebäuden sind in Bremen genehmigungsfrei, solange sie nicht in der Erscheinung des Gebäudes wesentlich verändern (§ 65 Bremische Bauordnung). Ausnahmen:
- Denkmalschutz: Bei eingetragenen Denkmälern braucht es eine Genehmigung der Denkmalbehörde Bremen. Schwachhausen und die Östliche Vorstadt haben Zonen mit Erhaltungssatzung - hier prüft die Behörde individuell.
- Erhaltungssatzungen: Findorff, Walle und Teile von Östlicher Vorstadt unterliegen Erhaltungssatzungen, die die Außenwirkung der Häuser schützen. PV ist meist zulässig, aber nicht auf der Straßenseite.
Montage-Spezifika auf Klinkerdach
Klinker-Ziegel sind brüchig - die Befestigung der Dachhaken erfordert mehr Sorgfalt als bei modernen Falzziegeln. Empfohlene Vorgehensweise:
- Sparrenbefestigung statt Ziegelbefestigung wo möglich.
- Bei direkter Ziegelbefestigung: Spezial-Dachhaken mit verbreiterten Auflageflächen verwenden.
- Beschädigte Klinker beim Probesatz markieren und vor PV-Aufbau ersetzen.
- Pro 10 kWp-Anlage sollten 8-12 Ersatzziegel im Lager liegen - Klinker aus den 1920ern sind nicht mehr lieferbar und müssen aus Abrissbetrieben beschafft werden.
Ertragserwartung
Bremen hat mit 1.500-1.600 Sonnenstunden pro Jahr keine Spitzenwerte, aber für PV ausreichend. Eine 10-kWp-Anlage auf Süddach mit 30°-Neigung liefert in Bremen jährlich ca. 8.500-9.500 kWh. Bei Klinkerdächern mit oft flacheren Neigungen (10-25°) entsprechend 6.500-7.800 kWh.
Was die Vergleichsangebote zeigen sollten
- Statiknachweis als Bestandteil des Pakets (oder explizit ausgewiesen)
- Anzahl und Spezifikation der Spezial-Dachhaken
- Ersatzziegel im Festpreis enthalten
- Detaillierte Anlagenkonfiguration (Modulhersteller, Wechselrichter, optional Speicher)
Drei Festpreis-Angebote regionaler Bremer Solarteure mit Klinkerdach-Erfahrung einholen - die Preisspanne ist erheblich, weil nicht jeder Anbieter die Spezifika beherrscht.