Heizgradtage Bremen: was sie für die WP-Auslegung bedeuten
Klimazone Nordwestdeutschland: 3.500 Heizgradtage, Norm-Außentemperatur -10 °C, mildes Winterklima. Wie die Bremer Klimadaten die WP-Auslegung verändern.
· veröffentlicht am 24. Mai 2026
Heizgradtage sind die zentrale Klimakennzahl für die Wärmepumpen-Auslegung. Bremen liegt mit ca. 3.500 Heizgradtagen pro Jahr im Mittelfeld der deutschen Klimazonen - milder als Bayern (3.800-4.200 Hgt), kälter als Köln/Düsseldorf (3.100-3.300 Hgt).
Was Heizgradtage konkret bedeuten
Heizgradtage werden für jeden Tag berechnet, an dem die Außentemperatur unter eine Heizgrenze (typisch 15 °C in DIN EN 12831) fällt. Der Wert ist die Differenz zwischen 20 °C (Raumtemperatur) und der Tagesmitteltemperatur. Summe über alle Tage = jährliche Heizgradtage.
Für die WP-Auslegung relevant: Hgt korrelieren direkt mit dem jährlichen Wärmebedarf. Bei gleicher Gebäudehülle braucht ein Haus in Bremen ca. 8 % mehr Heizenergie als in Frankfurt, aber ca. 12 % weniger als in Süddeutschland.
Norm-Außentemperatur Bremen: -10 °C
Diese Auslegungstemperatur ist der wichtigste Einzelwert für die WP-Dimensionierung. Sie definiert den ungünstigsten betrieblichen Lastfall. In Bremen rechnet man mit -10 °C - im Vergleich:
- München: -14 °C
- Berlin: -12 °C
- Bremen: -10 °C
- Hamburg: -10 °C
- Köln: -8 °C
Daraus folgt: eine Luft-Wasser-Wärmepumpe für ein typisches Bremer EFH muss bei -10 °C Außentemperatur die volle Heizleistung liefern - dabei sinkt der COP gegenüber Auslegungsbedingungen auf ca. 2,5. Modern dimensionierte WP mit Modulation und Heizstab als Backup decken das problemlos ab.
Was das für die JAZ bedeutet
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) gibt das durchschnittliche Verhältnis aus erzeugter Heizenergie zu eingesetztem Strom über ein Jahr. Bremer Klima begünstigt mittlere JAZ-Werte:
- Luft-Wasser-WP im sanierten EFH: 3,5 - 4,2
- Sole-Wasser-WP (Erdkollektor): 4,2 - 4,8
- Wasser-Wasser-WP (selten in Bremen): 4,8 - 5,3
Diese Werte liegen leicht über den süddeutschen Vergleichswerten, weil die milderen Bremer Winter höhere COP-Werte ermöglichen.
Praktische Konsequenz für die Auslegung
- Heizleistung der WP: Für ein typisches Bremer EFH 140 m² nach Sanierung sind 8-10 kW ausreichend. Vor Sanierung 12-14 kW.
- Pufferspeicher: 60 l pro kW Heizleistung als Daumenregel (500-700 l Speicher für 8-10-kW-WP).
- Heizkurve: typische Bremer Einstellung 0,4-0,6 (steiler als in Süddeutschland nicht nötig wegen milderer Winter).
Drei Festpreis-Angebote regionaler SHK-Profis sollten alle eine schriftliche Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 enthalten - mit konkreten Bremer Klimadaten. Anbieter, die "Standardpaket" anbieten ohne individuelle Auslegung, sind zu meiden.